Jon, Ernesto und Suzette Reintjens-Lopez nutzten den Urlaub zum Training in Burgos, mit Spaniens stärkster Jugendmannschaft.
Was die drei so alles erlebt haben, hat Hans-Karl Reintjens-Lopez in seiner gewohnt humorvollen Art zu Papier gebracht.

Un cordial saludo a nuestros amigos en EspanaUn cordial saludo a nuestros amigos en EspanaUrlaub in Spanien ohne Tischtennis? Und das drei Wochen vor dem Saisonstart? Da muss doch was zu machen sein, dachten wir uns vor der Abfahrt nach Kastilien. Soria, so heißt unsere (Urlaubs-)Provinz in Zentralspanien, zwischen Madrid und Pamplona gelegen, ist allerdings wirklich allertiefste Tischtennis-Provinz. In einem Land, fast halb so groß wie NRW nicht ein einziger TT-Verein. Tischtennis-Platten (aus Hartplastik!) gibt's hier nur auf Spielplätzen, die unter der Mörderhitze längst Buckelpisten für Moto-Crosser ähneln.

Fündig wurden wir erst in Burgos, der nächsten Provinz und mit rund 150.000 Einwohnern schon deutlich größer als Soria: Hier gilt der Verein "Club Burgos Tenis de Mesa" als eine Top-Adresse im spanischen TT. Nach einigen Telefonaten mit Fran Berzosa, dem Cheftrainer, folgte tatsächlich die Einladung zum Training nach Burgos, immerhin 140 Kilometer von Soria entfernt. Doch dass dies für Tischtennis-Spieler in Spanien keine Entfernung ist, wurde uns später sehr deutlich. 

Kaum in Burgos, begrüßte uns Fran am Eingang der sehr modernen, top-gepflegten, Mehrzweck-Sporthalle (mit Hausmeister am Empfang) mit den Worten: "Das ist hier die beste Jugendmannschaft Spaniens. Wir haben bei den spanischen Meisterschaften sechs Titel mit unseren Spielern geholt, insgesamt elf Medaillien abgeräumt. Unser stärkster Jugendlicher zählt zu den zehn stärksten Spielern." Es klang ein bißchen so wie: Ihr kommt doch hoffentlich nicht mit Graupen hier zum Training angefahren.

Davon konnte keine Rede sein: Jon und Ernesto in ihren roten Tusem-Trikots zeigten sich den Anforderungen des strengen, unglaublich diszipliniert vorgetragenen Trainings in einer für die Vorsaison respektabel großen Trainingsgruppe durchaus gewachsen und hinterließen Eindruck. Zur Belohung gab es mehrere Balleimer mit Fran und Spieleinheiten mit Rafa Saez, der u.a. für die EM in Portugal nominiert war. Selbst Suzette durfte am Ende mittrainieren -- und Fran zeigte sich durchaus zufrieden mit seinen Tusem-Neuzugängen.

Dass die vielen Titel nicht vor dem Zorn des Trainers schützen, musste der spanische B-Schüler-Meister erfahren, der eine Übung mit Jon nicht ganz ernst nahm. Jon, leicht angefressen, machte ein paar Bemerkungen, Fran wurde aufmerksam, blickte ein paar Minuten hinüber und wies seinen Schützling zurecht: "Entweder du trainierst jetzt vernünftig, oder ich werf dich aus der Halle."

Vielleicht muss man auch diese Energie haben, um Tischtennis in Spanien zu spielen: Eine Meisterschaftsserie wie in Deutschland gibt es für Schüler und Jugendliche nicht. Das TT-Leben besteht nur aus Turnieren. Da Tischtennis vor allem an der Küste gespielt wird, stehen an den Turnier-Wochenenden immer lange Reisen an, meist mit Hotel, manchmal mit Flug.  Die erfolgreicheren Spieler, wie Daniel und Maria Berzosa, Aitor Colina, Marcos San Miguel, Elvira Rad, Miguel Nunez oder Rafa Saez sind zudem bei internationalen Turnieren in Frankreich, Belgien & Co. im Einsatz, zuletzt bei der Schüler-EM in Straßburg. TT ist also auch eine Kostenfrage, vor allem bei den Eltern. Dass da TT als anspruchsvoller, teurer Sport gilt, verwundert nicht. Die TT-Szene in Deutschland mit seiner hohen Vereins-, Spieler- und Leistungsdichte, wird da fast beneidet. "Die Jugendlichen haben gutes NRW-Niveau, die Schüler würden in der Bezirksliga locker oben spielen", lautete Jons Urteil nach den drei Einheiten. Am Ende verabschiedeten wir uns in freundschaftlicher Verbundenheit. Wir sind in Burgos jederzeit willkommen, die Tusem Essen nun auf ihrer Landkarte haben. Über einen Gegenbesuch würden wir uns natürlich sehr freuen.
Hans-Karl Reintjens-Lopez

 

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